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Weibliche Genitalverstümmelung

Weibliche Genitalverstümmelung ist ein schwerwiegender, irreversibler Eingriff, der oftmals ein lebenslanges Leiden verursacht. Wir lehnen den Begriff weibliche Beschneidung als verharmlosend ab. Ein wesentlicher Teil unserer Mission besteht darin, «Tareto Africa» mit den uns gegebenen Möglichkeiten darin zu unterstützen, die weibliche Genitalverstümmelung in der Maasai-Gemeinschaft zu verringern und bestenfalls zu beenden.

 

Die weibliche Genitalbeschneidung bzw. die weibliche Genitalverstümmelung (im Englischen: female genital mutilation, Kurzform FGM) beschreibt eine partielle oder komplette Amputation oder Beschädigung aller äusseren weiblichen Geschlechtsorgane, ohne dass medizinische Gründe vorliegen.

 

FGM wird ab dem Säuglingsalter, oft in der Pubertät, bis ins Erwachsenenalter durchgeführt. Meist wird sie ohne irgendwelche Betäubung und unter unhygienischen Bedingungen von sogenannten «Cutterinnen» unter zu Hilfenahme von Glasscherben, Rasierklingen, Messern, o.ä. ausgeführt. Sehr starke Schmerzen während und nach der Durchführung sind die Regel. Ebenfalls können schwere körperliche sowie psychische Schäden entstehen, die oft das ganze Leben andauern und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Laut Schätzungen der WHO beläuft sich die Sterberate der Mädchen und Frauen während und nach der Durchführung auf 25%. Weitere Folgen sind Infektionen, Komplikationen bei der Geburt, stake Blutungen, Schmerzen während der Menstruation, Zysten und Probleme beim Urinieren. 

Gesundheitliche Vorteile sind keine vorhanden.

 

Laut Einteilung der WHO werden insgesamt vier Typen der weiblichen Genitalverstümmelung unterschieden:

  • Typ 1 – Die Klitoris wird teilweise oder komplett weggeschnitten. Die Klitorisvorhaut kann ebenfalls weggeschnitten werden. Medizinisch: Klitoridektomie.

  • Typ 2 – Zusätzlich zur Klitoridektomie werden die Schamlippen (kleine Labien) partiell oder komplett entfernt.

  • Typ 3 – Bei der sogenannten «pharaonischen Beschneidung» oder auch «Infibulation» werden Klitoris, kleine und grosse Labien abgeschnitten und der übriggebliebene Rest der Vulva wird danach z.B. mit Akaziendornen fast vollständig verschlossen, nur eine kleine Öffnung bleibt bestehen (z.B. mit eingeführtem Strohhalm), damit die Mädchen und Frauen oft mit grossem Zeitaufwand und Schmerzen noch urinieren und menstruieren können.

  • Typ 4 – Bei dieser Variante werden Klitoris und Schamlippen durch Verätzen, Dehnen und extrem brutales Einstechen bzw. Beschneiden verstümmelt und zerstört.

Die WHO schätzt die Zahl der weltweit betroffenen Mädchen und Frauen auf mehr als 230 Millionen. Jährlich werden mehr als 4 Millionen Mädchen als FGM-gefährdet betrachtet. Hauptsächlich von FGM betroffen sind Länder in West-, Ost- und Nordostafrika sowie einige Länder im Nahen Osten und Asien. Durch die verstärkte Zuwanderung sind auch die Länder der EU sowie die Schweiz betroffen. Für die Schweiz rechnet man z.B. mit fast 25000 Mädchen und Frauen, die dem Risiko dieser Praxis ausgesetzt sind.

 

In der Maasai-Gemeinschaft in Kenia liegt der von FGM betroffene Anteil Mädchen und Frauen (laut KDHS – Nationale Demografische Gesundheitsumfrage) landesweit bei 56,7%. In traditionell stark praktizierenden Gemeinschaften bzw. Regionen kann der Anteil bis zu 78% betragen.